Contao: Das schnelle und vielseitige CMS

Die Vorteile großer und professioneller CMS-Lösungen wie TYPO3 oder Joomla sind bestechend. Doch für Laien schwer zu verwaltende Datenbanken können Server ausbremsen. Mit Contao gibt es eine T3-ähnliche Alternative, die schlank, flexibel und schnell ist.

Von TypoLight zu Contao

Vielleicht erinnert sich mancher noch an ein CMS namens TypoLight? Dabei handelt es sich um den direkten Vorläufer von Contao. Unter dem Namen TypoLight wurde das Open-Source-CMS im Jahre 2006 erstmals vorgestellt und gehört damit zu den relativ jungen Vertretern seiner Zunft, wenn man es an den Dinosauriern der Branche misst. Die Umbenennung erfolge, weil man Verwechslungen mit TYPO3 ausschließen wollte, denn es handelt sich keinesfalls schlicht um eine abgespeckte Version der bekannten CMS-Lösung, sondern eher um eine Neuerfindung des Rades. So zumindest der ursprüngliche Anspruch der Entwickler, die ein CMS erschaffen wollten, das die positiven Eigenschaften verschiedener Systeme in einem neuen Projekt vereint.

Tatsächlich ist dies bei den Usern gut angekommen, die sowohl Leistung als auch Funktionsumfang des Systems schätzen. Bei diesem Neuansatz handelt es sich um ein browserbasiertes CMS für das klassische Management von Webcontent. Der Fokus liegt nicht so stark auf dem Erstellen von Blogs (wie etwa bei den Wurzeln von WordPress) oder dem Social Publishing, also der Einbindung der Sozialen Netzwerke. Beides ist zwar auch mit Contao möglich und umsetzbar, aber darauf liegt eben nicht der Schwerpunkt. Wer diese Funktionen benötigt, kann sie über entsprechende Erweiterungen durchaus implementieren.

Ideal für E-Commerce und andere Anwendungsbereiche

Contao verwendet die bewährte PHP-Plattform als Programmiersprache, die mit den üblichen MySQL-Datenbanken arbeitet. Die Resultate können beispielsweise in HTML5 oder XHTML ausgegeben werden. Das Open-Source-Projekt zeichnet sich durch eine große, sehr aktive Community aus. Für Nutzer ist wichtig, dass es eine sehr flexible Plattform für CMS-Anforderungen darstellt, die man einfach auf die eignen Bedürfnisse zuschneiden und erweitern kann.

Die große Flexibilität macht das CMS besonders interessant für die Erstellung mobiler Webseiten mit responsive Design. Ein weiterer Pluspunkt ist sicherlich die Erweiterung für E-Commerce, die besonders bei kleineren und mittleren Unternehmen mit Onlineshops und ähnlichen Angeboten beliebt ist. Als Alleskönner wird Contao derzeit in 30 Sprachen angeboten, ist weitgehend barrierefrei und deckt somit fast die gesamte Welt als Einsatzgebiet ab. Open-Source bedeutet nicht, dass es keine Regeln gibt, aber die GNU-Lizenz, unter der das CMS benutzt werden kann, bietet alle Freiheiten, die man als Nutzer benötigt.

Flexibilität und Zukunftssicherheit sind bei Contao inklusive

Egal, ob großes oder kleines Unternehmen: Ein CMS muss für die Anwender im Backend leicht zu bedienen sein und die Flexibilität besitzen, auf die Anforderungen der Firma zugeschnitten werden zu können. Beides erfüllt das System mit Bravour. Hinzu kommt, dass die Entwickler eine hohe Planungssicherheit bieten möchten – ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für ein bestimmtes CMS. So bleibt das Open-Source-Projekt zwar generell offen für Entwicklungsschritte von außen, stellt aber einige klare Regeln auf, um besagte Zukunftssicherheit für Unternehmen zu gewährleisten. Dazu gehört an vorderster Stelle die Abwärtskompatibilität, die explizit vorgegeben ist.

Die Einhaltung fester Termine für den Release von Updates oder neuer Versionen soll durch engmaschige Veröffentlichungszyklen unterstützt werden. Das Modell des Long-Term Supports (LTS) garantiert eine Unterstützung der jeweils aktuellen Programmversion für mindestens 24 Monate. Fehlerbehebungen und Updates sind für diesen Zeitraum also in jedem Fall sichergestellt – oft reichen sie aber deutlich darüber hinaus. Eingeführt wurde LTS mit dem Erscheinen der Version 2.11. Somit können auch ältere Versionen, die sich im Alltagsbetrieb bewährt haben, problemlos über längere Zeiträume hinweg weiter betrieben werden, ohne einen Umstieg auf eine aktuelle Programmversion zu erzwingen. Letzteres ist bei vielen anderen CMS mit hohem administrativem Aufwand verbunden, weswegen Unternehmen diesen Teil der Planungssicherheit besonders schätzen. Auf der Contao-Webseite kann man übrigens stets die genauen Release-Daten der neuesten Versionen und der Updates für ältere Programmteile einsehen.

Einer der größten Vorteile liegt in der schnellen Systemarchitektur, mit der Datenbanken auch bei großem Traffic nicht überfordert werden. Dementsprechend sind die Systemvoraussetzungen auch nicht übermäßig hoch und sollten von den meisten aktuellen Serversystemen erfüllt werden können. Als Minimalvoraussetzung gilt ein Webserver mit PHP- und MySQL-Unterstützung der Versionen 5.4.0 bzw. 5.0.3. Bei den meisten externen Hostern ist das ohnehin kein Problem – und wenn die Firma eigene Server betreibt, lassen sich diese Anforderungen in der Regel ebenfalls leicht erfüllen bzw. nachrüsten. Natürlich bleibt die Entwicklung nicht stehen, weswegen man regelmäßig die Ressourcen auf die aktuellen Anforderungen der Installationen überprüfen sollte. Das gilt aber für jedes CMS. Wer sich nicht sicher ist, ob die Server den aktuellen Anforderungen entsprechen, der kann auf der offiziellen Contao-Webseite die Kompatibilität überprüfen lassen.

Video: Einleitung – Programmiersprachen vorgestellt

Wie sieht der typische Nutzer von Contao aus?

Bei der großen Auswahl an CMS stellt sich die Frage, für wen Contao besonders geeignet ist. Während kleinere Projekte in der Regel mit Lösungen wie WordPress besser zurechtkommen, sind im mittleren bis großen Webprojekt-Bereich Contao-CMS-Lösungen besonders attraktiv. Das liegt an der sehr leistungsfähigen Systemarchitektur, die sich flexibel an die jeweiligen Anforderungen anpassen und erweitern lässt. Natürlich lassen sich damit auch sehr kleine Projekte umsetzen, zumal die Seitenstruktur relativ unkompliziert ist. In der seitenbasierten Orientierung unterscheidet sich dieses CMS von vielen anderen Systemen wie etwa Drupal oder dem beliebten Joomla. Die klare Hierarchie der Seitenstruktur vereinfacht die Verwaltung verschiedener Seiten – für Unternehmen mit mehreren Projekten besonders wichtig.

Alle Einstellungen lassen sich über das Gerüst des Hierarchiebaums leicht verwalten und implementieren. Natürlich kann auch die Gestaltung vergleichsweise einfach verändert werden. Allerdings muss man auch klar sagen, dass insbesondere Änderungen der Designs über Templates einige Erfahrung voraussetzen. Da sind andere CMS wie WordPress unkomplizierter und bieten folglich eine weit größere Auswahl an Gestaltungsoptionen. Als Nachteil der streng hierarchischen Seitenstruktur muss man außerdem in Kauf nehmen, dass bei einer großen Zahl von Einträgen oder sehr großen Inhalten auf Webseiten die Übersichtlichkeit leidet. Ab einem gewissen Punkt kann es sehr unübersichtlich werden, man sollte also immer diszipliniert strukturieren und im Hinterkopf behalten, dass die Seite in Zukunft eventuell weiter wachsen soll.

Wer dies von Anfang an beherzigt, kann mit Contao durchaus auch komplexe Inhalte aufbauen. Im Nachhinein die Übersichtlichkeit wiederherzustellen, ist jedoch kaum möglich. Immerhin ist die Verwaltung so gestaltet, dass die meisten Laien sehr gut damit zurechtkommen. Das liegt vermutlich auch daran, dass sich das sogenannte Backend den eigenen Vorstellungen sehr detailliert anpassen lässt.

Contao einrichten & pflegen: Kleinkinder schaffen das natürlich noch nicht! Aber für die Menschen, die über ein paar PC Kenntnisse verfügen, wird es kein Problem darstellen. (#02)

Contao einrichten & pflegen: Kleinkinder schaffen das natürlich noch nicht! Aber für die Menschen, die über ein paar PC Kenntnisse verfügen, wird es kein Problem darstellen. (#02)

Großer Funktionsumfang schon in der Basisversion von Contao

Bereits beim Download der Basisversion bekommt man viele Werkzeuge und Funktionen mitgeliefert. Man muss also nicht erst haufenweise Module implementieren, da die gängigsten bereits integriert sind. Content in Form von Texten, Bildern, Videos etc. lässt sich intuitiv erstellen und verwalten.

Zu den mitgelieferten Basismodulen zählen unter anderem:

  • Volltextsuche
  • Mehrsprachigkeit
  • umfangreiche Editiermöglichkeiten
  • Dateimanager
  • leistungsfähiger Generator für Formulare
  • Basismodule für Newsverwaltung
  • Newsletter-Erstellung

Erweiterungen für E-Commerce lassen sich bei Contao leicht installieren

Wer weitere Funktionen benötigt, kann entsprechende Erweiterungen jederzeit über das Backend verwalten. Damit das reibungslos funktioniert, ist die Unterstützung des SOAP (Simple Object Access Protocol) auf der Serverseite erforderlich. Dabei handelt es sich um ein Netzwerkprotokoll, mit dem Daten ausgetauscht und Remote Procedure Calls realisiert werden können. Der SOAP-Standard verwendet XML zur Aufbereitung der Daten, die Übertragung von Nachrichten erfolgt in der Regel über HTTP und TCP. Vereinfacht gesagt, stellt SOAP Regeln für das Nachrichtendesign für den Austausch von XML-basierten Nachrichten in einem Rechnernetz auf.

Das Protokoll wird überall dort verwendet, wo aus Sicherheits- oder Kompatibilitätsgründen ein direkter externer Zugang zu einer Informationsquelle nicht gewünscht oder sinnvoll ist. Für den User bedeutet das, dass über das CMS auf Informationen in Datenbanken zugegriffen werden kann, ohne dass ein direkter Zugang durch das Anwenderprogramm bestehen muss. Ohne dieses SOAP wäre die Verwaltung der Erweiterungen nicht möglich. Bei der Art und Vielfalt der Erweiterungen gibt es kaum Einschränkungen. Für alle möglichen Themen und Branchen gibt es vorgefertigte Erweiterungen, die sich leicht den eigenen Bedürfnissen anpassen lassen. Große Bedeutung haben für viele Anwender die umfangreichen Shopsysteme. Die Erweiterungen werden von der Community oft kostenlos bereitgestellt, es gibt aber auch kostenpflichtige Versionen. Die Installation kann man einfach über das Backend vornehmen.

Sehr beliebt ist beispielsweise das Isotope E-Commerce-System. Dabei handelt es sich um ein vollwertiges Modul für Shopping-Anwendungen, das sich leicht einbinden lässt. Es schließt die Lücke zwischen reinem Content Management und den Anforderungen für eine Onlineshop-Implementierung. Gerade das ist bei vielen anderen CMS nicht ohne Probleme möglich und sorgt für eine wachsende Beliebtheit von Contao bei mittleren Unternehmen, die eine umfassende Lösung für alle Bereiche suchen. Sämtliche wichtigen Funktionen und Designs sind dabei frei anpassbar. Man kann das Shopdesign bei Isotope flexibel anpassen und alle gängigen Zahlungsmethoden problemlos integrieren. Unterstützt werden z. B. Paypal und Sofortüberweisung. Hinzu kommt die freie Einbindung von beliebigen Versandoptionen.

Natürlich spielt SEO heutzutage eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Webseiten. Ein gutes CMS sollte also bereits suchmaschinenfreundlich agieren und die Webseitenstruktur entsprechend gestalten. Contao erledigt dies quasi automatisch.

Natürlich spielt SEO heutzutage eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Webseiten. Ein gutes CMS sollte also bereits suchmaschinenfreundlich agieren und die Webseitenstruktur entsprechend gestalten. Contao erledigt dies quasi automatisch.(#01)

Gretchenfrage: Wie hält es Contao mit SEO?

Natürlich spielt SEO heutzutage eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Webseiten. Ein gutes CMS sollte also bereits suchmaschinenfreundlich agieren und die Webseitenstruktur entsprechend gestalten. Contao erledigt dies quasi automatisch. Fast alle gängigen Onpage-SEO-Methoden lassen sich mit diesem CMS einfach implementieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Open-Source-CMS verfügt das System über einen sehr sauberen Quellcode und lässt hochwertige interne Links zu. Die URLs werden automatisch suchmaschinenfreundlich generiert. Die Seitentitel werden dynamisch erstellt, alle Meta-Anagaben sind automatisiert. Die Anbindung von Google-Analytics ist ebenfalls gegeben. Somit lässt sich das Thema SEO auch ohne große Programmierkenntnisse abhaken.

Auch bei Contao ist nicht alles Gold

Es gibt eine Menge Faktoren, die für den Einsatz von Contao als CMS sprechen. Allerdings gibt es auch ein paar Nachteile. So ist die eigentlich sehr übersichtliche hierarchische Seitenstruktur oft ein Fallstrick, wenn Seiten über längere Zeit hinweg wachsen oder beträchtlich erweitert werden sollen. Wer nicht von Beginn an Ordnung hält, kann an der Unübersichtlichkeit irgendwann verzweifeln. Ein wirkliches Problem auf der technischen Seite kann je nach Anforderungen aber die mangelhafte Einbindung von Freigabeprozessen sein. Wer sehr komplexe Freigabeprozesse in seinem Unternehmen verwalten möchte, scheitert vermutlich. Es gibt zwar einige Erweiterungen, die speziell für sehr komplexe Freigabeprozesse entworfen sind, doch selbst erfahrene Anwender stoßen dabei schnell an die Grenzen des Systems.

Bei der Wahl des richtigen CMS ist somit nicht so sehr die Größe des Unternehmens entscheidend, denn Contao kann man sowohl auf kleineren als auch auf mittleren bis sehr großen Seiten problemlos einsetzen. Sind jedoch komplexe Freigabeprozesse gewünscht oder notwendig, sollte man ein anderes System einsetzen. Kein Nachteil ist hingegen ausdrücklich die einfache und klare Struktur. Das wird gerade von Profis oft falsch eingeschätzt, denn die Funktionen und Erweiterungen können sich mit jedem anderen CMS messen. Die sehr gute Usability für Betreiber und Nutzer ist ein großes Plus, denn die Einbindung von Texten, Bildern, Animationen und Videos ist sehr gut gelöst. Besonders die Möglichkeit, das CMS intuitiv zu nutzen, unterscheidet es von vielen anderen Lösungen auf dem Markt. Auch die bei anderen Systemen oft komplizierte Prozedur von Updates ist bei Contao sehr gut gelöst, denn sie werden automatisch integriert. Das gilt sogar für Erweiterungen.

Video: Contao Konferenz 2018 – Keynote

 

Die Vor- und Nachteile von Contao im Überblick

Vorteile:

  • geringe Kosten durch Open Source
  • große Community mit viel Entwicklungspotenzial
  • gute Hilfestellung innerhalb der Community bei Problemen
  • Zukunftssicherheit durch Long-Term-Support
  • hohe Abwärtskompatibilität
  • Systemanforderungen halten sich in Grenzen
  • hierarchische Seitenstruktur, die leicht zu verwalten ist
  • einfach zu implementierende Module und Erweiterungen
  • nahtlose Einbindung von E-Commerce und Content in einem System
  • intuitive Bedienung
  • Mehrsprachigkeit
  • Barrierefreiheit
  • große Auswahl an Erweiterungen
  • großer Funktionsumfang schon in der Basisversion
  • für Webauftritte jeder Größe geeignet
  • sehr flexibel einsetzbar
  • leicht zu erlernen
  • einfache Einbindung von Updates
  • Webseiten werden automatisch suchmaschinenfreundlich erstellt
  • sehr gute und umfangreiche Dokumentation erleichtert den Einstieg

Nachteile:

  • Implementierung von Templates für Designänderungen nur mit Erfahrung möglich
  • Übersichtlichkeit leidet bei sehr komplexen Inhalten, insbesondere bei Mehrsprachigkeit
  • komplexe Freigabeprozesse mit Contao nicht empfehlenswert bzw. teilweise nicht möglich
  • modularer Aufbau ist sehr aufwändig
  • individuelle Anpassungen erfordern etwas Erfahrung und Geschick

Fazit: Contao ist einfach, aber nicht simpel

Die Einfachheit bei der Bedienung und im täglichen Umgang mit dem CMS führt manchmal zu dem Trugschluss, dass es sich bei Contao um ein simples System mit wenigen Funktionen für Laien handelt. Das ist falsch, denn mit den richtigen Modulen und Erweiterungen sind dem CMS kaum Grenzen gesetzt. Gerade die einfache Verbindung von CMS und E-Commerce spricht für das flott arbeitende System.

Mehrsprachigkeit und Rechteverwaltung lassen sich mit den Premiumprodukten unter den CMS problemlos vergleichen. Die Umsetzung von SEO lässt sich zudem ohne große Programmierkenntnisse verwirklichen, da die Webseiten bereits SEO-freundlich erstellt werden. Die umfangreiche und flexible Community bietet schnelle Hilfestellung bei vielen Problemen, Long-Time-Support und Abwärtskompatibilität machen Contao zu einer Dauerlösung selbst für komplexe Webseiten. Dem entgegen steht ein Mangel an Übersichtlichkeit, je komplexer der Webauftritt wird. Außerdem lassen sich komplizierte Freigabeprozesse nur schlecht oder überhaupt nicht umsetzen.

Noch ein Tipp zum Schluss: In diesem Artikel haben wir die Vor- und Nachteile verschiedener CMS übersichtlich zusammengefasst.


© Shutterstock-Titebild:   _ Grigoreva Alina  – #02: _ Kinga

© Wikipedia  #01: Marlus Gancher

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