Die wichtigsten Content-Management-Systeme im Überblick

Die Zeiten, in denen eine einfache Visitenkarte auf der Webseite als Präsenz für ein Unternehmen ausreichte, sind lange vorbei. Wer auf Google gut ranken möchte, benötigt Inhalte – also den berühmten Content. Doch wie bekommt man diesen auf die Webseite? Eine Möglichkeit ist ein CMS. Wir besprechen Vor- und Nachteile der beliebtesten CMS-Lösungen.

Der Siegeszug der CMS ist nicht mehr aufzuhalten

Bevor es einfache Content Management Systeme (CMS) gab, musste man Inhalte auf Webseiten aufwändig einpflegen. Ohne HTML-Kenntnisse ging gar nichts und für besondere Designs und Funktionen benötigten die meisten User professionelle Hilfe. Schon das Erstellen eines einfachen Kontaktformulars oder die Implementierung von Videos und Bildern ließ viele Normaluser an ihre Grenzen stoßen.

Die Idee der CMS ist simpel: Ähnlich wie mit einem Texteditor oder einer Word-Umgebung lassen sich Texte, Bilder und andere Inhalte in Sekundenschnelle erstellen und in die Webseite einbinden –natürlich im laufenden Betrieb.

Besonders redaktionelle Inhalte in Blogs oder auf Nachrichtenportalen lassen sich damit sehr bequem einpflegen. Wer ein Plugin (eine Erweiterung) benötigt, wird besonders bei den kostenlosen Open Source CMS schnell fündig. Ob Facebook-Button oder Cookie-Hinweis – alles lässt sich innerhalb kürzester Zeit einbauen und verleiht der Webseite einen professionellen Auftritt.

Besonders, wenn mehrere Redakteure an einer Seite arbeiten, ist ein CMS unverzichtbar, denn natürlich kann man nicht jedem die Admin-Berechtigungen einräumen, um direkt auf der Webseite Änderungen vorzunehmen. Doch welche Redaktionssysteme sind am beliebtesten? Und welche Vorteile und Nachteile gibt es zu bedenken?

Sind Open Source CMS wirklich so unsicher?

Unterschiede zu kommerziellen CMS gibt es vor allem beim Funktionsumfang bzw. den Möglichkeiten für Erweiterungen. Als Open Source Projekte werden sie von Usern auf der ganzen Welt weiterentwickelt, was eine große Auswahl an Templates (grafische Designs für die Oberfläche der Webseite) und Plugins gewährleistet. Die Achillesferse solcher CMS ist jedoch häufig die Sicherheit, denn durch die Open Source Politik ist die Gefahr von Sicherheitslücken größer als bei kommerziellen CMS, die als geschlossene Systeme entwickelt werden.

Bei Open Source CMS, die eine hohe Aktualisierungsrate aufweisen, ist diese Gefahr allerdings überschaubar. Daher ist es auch besonders wichtig, Updates regelmäßig aufzuspielen, damit etwaige Sicherheitslücken geschlossen werden. Manchmal hapert es auch an der Kompatibilität unausgereifter Plugins, man kann also nicht den gleichen professionellen Standard erwarten wie bei einem gekauften CMS. Es gibt aber durchaus beeindruckende Gegenbeispiele von perfekt nutzbaren Erweiterungen für CMS, die den Vergleich mit kommerziellen Systemen nicht scheuen müssen. Auch deshalb setzen viele professionelle SEO-Agenturen für ihre Kunden auf die gängigen Open Source CMS. Sie verursachen keine Zusatzkosten und können von den Anwendern leicht bedient werden.

Welches Content Mangagement System darf es denn sein?

Die Qual der Wahl unter den CMS ist gewaltig. Es gibt mehrere hundert Programme auf dem Markt, die verschiedene Nutzergruppen ansprechen. Von einfachen Baukästen für Blogs über die Gestaltung simpler Onlineshops bis hin zu umfangreichen Business-Lösungen für Großunternehmen findet man für jeden Anspruch das richtige CMS. Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass man schnell dem sogenannten Overkill erliegen kann. Komplizierte CMS, deren Funktionen man zu 90 Prozent überhaupt nicht ausschöpft, sind für die meisten Anwender unnötig und zudem schwer zu bedienen. Außerdem belasten sie häufig die Datenbankserver über Gebühr. Zunächst steht also die Bedarfsermittlung im Vordergrund: Was muss mein CMS können?

Drei Hauptgruppen gilt es dabei zu unterscheiden:

  • Social Publishing und Community Management (z. B. Foren)
  • Blog Publishing und News Content
  • Web-Content-Management (beinhaltet oft multimediale Komponenten)
Die Qual der Wahl unter den CMS ist gewaltig. Es gibt mehrere hundert Programme auf dem Markt, die verschiedene Nutzergruppen ansprechen.

Die Qual der Wahl unter den CMS ist gewaltig. Es gibt mehrere hundert Programme auf dem Markt, die verschiedene Nutzergruppen ansprechen.

Social Publishing und Community Management

Natürlich sind auch Überschneidungen möglich, doch wer etwa ein Forum für eine Community aufbauen möchte, kann auf umfangreiche Funktionen zur Webseiteneinbindung von Videos etc. in der Regel verzichten. Eine neue Online-Community zu entwickeln und den Kreis der möglichen Nutzer zu erweitern, ist keine einfache Aufgabe und wird zunehmend durch die Sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter ersetzt.

Trotzdem gibt es nach wie vor gute Gründe, Wikis oder Foren aufzubauen, an deren Wachstum die Community aktiv beteiligt ist. Denn gerade bei umfangreichen Wissensinhalten stoßen Facebook und Twitter an ihre Grenzen: Einmal besprochene Themen lassen sich nur schwer wiederfinden und die Übersichtlichkeit ist ebenfalls schlecht. Der Hauptaspekt des Social Publishing liegt also eindeutig auf einer aktiven Leserschaft, die sich an der Erstellung von Content beteiligt (user-generated Content).

Blog Publishing und News Content

Um 2008 herum war der Blog das Mittel der Wahl, um sich der Welt mitzuteilen. Das Bloggen ist aber heute noch – trotz der sozialen Netzwerke – nach wie vor wichtig. Unternehmen wie Privatleute setzen auf Blogs, um Informationen an ihre Zielgruppe weiterzugeben. Nicht von ungefähr werden Blogs oft mit Nachrichteninhalten gleichgesetzt, denn viele Blogs sehen sich als eine moderne Form der Tageszeitung. Die komplexe Verknüpfung von Inhalten und der Einbau von Multimedia-Inhalten wie Videos ist problemlos möglich.

Sehr attraktiv sind solche CMS durch die Tatsache, dass eine Blog-Präsenz von mehreren Nutzern bzw. Redakteuren betreut und gepflegt werden kann. Natürlich bieten moderne CMS immer auch die Implementierung sogenannter Web-2.0-Funktionen und sind zunehmend responsiv gestaltet, damit sie auf mobilen Geräten sinnvoll nutzbar sind. Selbst die Erstellung von Beiträgen für den Blog ist inzwischen über Mobilgeräte möglich.

Web-Content-Management

Hier geht es primär um echte Webseitengestaltung, eventuell mit verknüpften Online-Shops und weitgehend statischen Inhalten, die nicht täglich aktualisiert werden (im Gegensatz zu Content von Blogs und News). Auf Web-Content Management spezialisierte CMS-Lösungen ermöglichen ebenfalls einer Gruppe von Seitenmanagern, die Inhalte zu erstellen und zu pflegen. Da hier häufig wichtige Funktionen einer Seite betroffen sind, ist das sichere Management von Freigaben und Berechtigungen ein absolutes Muss.

Die beliebtesten Content Mangement Systeme im Überblick

Wie bereits erwähnt, haben die quelloffenen Projekte den Vorteil, kostenlos verfügbar zu sein. Oft kommen Innovationen und Neuerungen zuerst bei solchen CMS zum Einsatz. Da der Programmcode frei zugänglich ist, kann so gut wie jeder Verbesserungen implementieren – und darin liegt gleichzeitig der größte Nachteil. Denn unqualifizierte Änderungen oder sogar bösartige Veränderungen des Codes können mutwillig oder absichtlich das Tor für Hackerangriffe oder die Verbreitung von Malware öffnen. Kostenpflichtig lizenzierte CMS sind in der Regel besser gegen solche Gefahren abgeschottet. Der Quellcode ist dann allerdings auch für versierte Programmierer nicht zugänglich und kann nicht den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Trotz der oft zitierten Sicherheitsmängel offener CMS ist der Qualitätsstandard der meisten Erweiterungen und Oberflächen sehr hoch und kann sich durchaus mit den kommerziellen Rivalen messen. Fehler werden durch die große Community schnell im Alltagsbetrieb entdeckt und normalerweise durch Updates regelmäßig behoben. Wer geprüfte Updates regelmäßig einspielt, geht bei Open Source nur geringe Risiken in Sachen Sicherheit ein.

Die Entwickler der großen quelloffen konzipierten CMS sind absolute Profis und verstehen ihre Arbeit mindestens so gut wie die kommerziellen Programmierer. Die sechs wichtigsten Content Management Systeme aus dem Open Source-Bereich möchten wir noch etwas genauer vorstellen. In der Beliebtheit stehen diese CMS bei vielen Agenturen und Nutzern ganz oben auf der Liste.

Wir beleuchten die Vor- und Nachteile der verschiedenen Projekte etwas genauer.

  • TYPO3 – der Marktführer
  • WordPress – die wandlungsfähige Alternative
  • Contao – das Beste aus vielen Welten
  • Drupal – Baukastenprinzip mit vielen Funktionen
  • Joomla! – das CMS der Herzen
  • Redaxo – ressourcenschonend und übersichtlich
Neben WordPress dürfte TYPO3 das bekannteste unter den Open Source CMS sein. (#01)

Neben WordPress dürfte TYPO3 das bekannteste unter den Open Source CMS sein. (#01)

TYPO3: Fast schon ein eigener Standard unter den CMS

Neben WordPress dürfte TYPO3 das bekannteste unter den Open Source CMS sein. Der offene Programmcode kann nach Belieben verändert werden. Plugins, Widgets und komplett neue Layouts sind einfach zu programmieren. Doch das muss man in der Regel gar nicht tun, denn es gibt bereits zahllose Funktionen zum Download, die man einfach in TYPO3-Umgebungen implementieren kann. Allerdings werden die Möglichkeiten von TYPO3 oft gar nicht genutzt, weil die meisten Anwender das komplexe System eigentlich überhaupt nicht benötigen.

Vorteile:

  • große Verbreitung und schnelle Hilfe durch die Community
  • fast keine Begrenzungen bei der Funktionalität
  • stetige Weiterentwicklung
  • zahllose Erweiterungen verfügbar
  • wächst mit den Anforderungen des Unternehmens

Nachteile:

  • Datenbanken notwendig, die für Laien schwer zu handhaben sind
  • Einstellungen der CMS-Verwaltung sind nichts für Anfänger

WordPress: Die ehemalige Lösung für Blogs ist zum echten CMS geworden

Ursprünglich nur als einfache Lösung zur Erstellung von Blogs gedacht, ist WordPress durch zahlreiche Erweiterungen, Templates, Plugins und Widgets zur Universallösung für Jedermann geworden. Besonders bestechend ist die einfache Handhabung, die auch von Laien relativ schnell erlernt werden kann. Das gilt nicht nur für die Nutzung von WordPress, sondern auch für die Installation und Updates. Doch der wachsende Funktionsumfang hat dazu geführt, dass das einstmals sehr schlanke CMS äußerst komplex und groß geworden ist.

Vorteile:

  • Einfache Installation und Einrichtung
  • Gigantische Auswahl für Designs (inzwischen oft responsiv)>
  • Fast jede denkbare Funktion lässt sich über Widgets und Plugins einbauen
  • sehr gut geeignet für SEO-Anforderungen

Nachteile:

  • sehr häufige Updates – nicht immer ohne Sicherheitsprobleme
  • begrenzte Möglichkeiten bei der Verwaltung im Backend
  • bei hohen Traffic-Zahlen steigen die Anforderungen an den Datenbankserver extrem an

Contao vereint das Beste aus vielen Welten

Früher war Contao auch unter dem Namen TYPOlight bekannt. Es vereint die Eigenschaften verschiedener CMS in einem neuen System. Es ist bei Usern aufgrund seiner Leistung und des Funktionsumfangs sehr beliebt und wird ständig weiter ausgebaut. Es bietet vor allem viele Freiheiten beim Design und bei der Entwicklung neuer Erweiterungen, bleibt dabei aber immer noch sehr einfach zu bedienen.

Vorteile:

  • sehr schnelles System, das auch bei viel Traffic die Datenbank nicht überfordert
  • Backend lässt sich sehr umfassend den eigenen Vorstellungen anpassen
  • sehr einfache Verwaltung, die auch für Laien geeignet ist

Nachteile:

  • Änderungen im Design über Templates nur mit Erfahrung möglich
  • bei sehr großen Inhalten bzw. zahlreichen Einträgen wird es irgendwann unübersichtlich
Die Zeiten, in denen eine einfache Visitenkarte auf der Webseite als Präsenz für ein Unternehmen ausreichte, sind lange vorbei.

Die Zeiten, in denen eine einfache Visitenkarte auf der Webseite als Präsenz für ein Unternehmen ausreichte, sind lange vorbei. (#02)

Drupal: Der Baukasten unter den CMS

Drupal ist eigentlich kein eigenes CMS im klassischen Sinne, sondern eher ein Baukastensystem, das sehr viele Möglichkeiten bietet. Durch den immens großen Umfang des Baukastens hat man sehr viele Funktionen und Optionen, die bei anderen CMS häufig fehlen oder nur schwer umsetzbar sind. Besonders bemerkenswert ist das sehr ausgeklügelte Management der Rechtevergabe an Nutzer und Nutzergruppen. Es eignet sich somit perfekt zum Aufbau von Community-Inhalten, bei denen viele Nutzer in verschiedenen Rollen an Inhalten arbeiten und sich untereinander austauschen.

Vorteile:

  • individuell anpassbares Backend-Interface
  • sehr individuelle Ergebnisse durch große Vielfalt an Funktionen im Baukastensystem
  • aktive Community arbeitet stetig an Verbesserungen und Erweiterungen

Nachteile:

  • Trotz vieler Möglichkeiten im Backend ist die Anpassung kompliziert
  • bei neuen Funktionen muss immer viel geändert werden
  • Erfahrung bei Einstellungen am Server unbedingt zu empfehlen

Joomla! ist ein äußerst beliebtes CMS

Joomla! ist das CMS mit der vermutlich treuesten Fangemeinde. Allerdings hilft diese Popularität nicht bei einem zunehmend wichtiger werdenden Problem. Die Entwicklung dieses CMS ist fast schon zum Erliegen gekommen. Innovationen und Verbesserungen kommen immer seltener. Immerhin scheinen die Entwicklungen in letzter Zeit aber wieder voranzukommen, um etwa die Mängel bei der Tauglichkeit für SEO-Anforderungen zu beheben.

Vorteile:

  • sehr große Vielfalt an Designs und Erweiterungen
  • Installation und Einrichtung sehr einfach gehalten
  • gute Dokumentation
  • kann mit den Anforderungen des Unternehmens skaliert werden
  • schlankes System mit modularen Möglichkeiten

Nachteile:

  • Rechtemanagement im Backend nicht sehr ausgeklügelt
  • große Sicherheitslücken und Einfallstore für Hacker bei vielen installierten Erweiterungen
  • ohne Erweiterungen kaum nutzbar

Redaxo: Der kleine Bruder mit dem großen Charme

Redaxo ist ein CMS, das sich starke Anleihen von TYPO3 und TYPOlight geholt hat. In anderen Ländern ist es kaum verbreitet, aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Redaxo viele Fans. Wie die anderen CMS kann man es leicht erweitern und über Module fast alle Vorstellungen umsetzen. Es ist sehr flexibel und sowohl für einfache als auch für anspruchsvolle Webauftritte geeignet.

Vorteile:

  • einfach, flexibel, übersichtlich
  • schlanke Struktur, die keine große Last für Datenbanken bedeutet
  • individuell anpassbar

Nachteile:

  • Ohne Erweiterungen nur bedingt für SEO-Anforderungen geeignet
  • Designanpassungen sind etwas umständlich
  • nicht so verbreitet wie andere CMS, daher zukünftige Entwicklung langfristig fraglich

Fazit: Für jeden Bedarf das richtige CMS

Man muss keine kommerziellen CMS anschaffen, um professionelle, flexible und individuelle Gestaltungen von Webseiten zu gewährleisten. Für jeden Anspruch gibt es bei den Open Source-Lösungen das richtige Content Management System. Allerdings sollte man seine Anforderungen genau kennen, um auch das richtige Paket zu wählen. Insgesamt kommen moderne Webseiten heute kaum noch ohne ein gutes CMS aus, wenn es um einfache und flexibel anpassbare Inhalte geht.


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