Die acht wichtigsten Texteditoren für Entwickler und professionelle Schreiber

Viele User bevorzugen heutzutage beim Schreiben am PC die bequemen Umgebungen moderner Texteditoren und Schreibsoftware, doch gerade Entwickler benötigen noch immer puristische Texteditoren. Wir stellen einige gängige Programme vor.

Office vs. Texteditor

Zunächst stellt sich die Frage, was der Unterschied zwischen einem Texteditor und einem Textverarbeitungsprogramm ist.

Während wir von Programmen wie

  • Microsoft Office,
  • Apple Pages oder
  • Open Office

eine übersichtliche und praktische Bedienoberfläche gewohnt sind, sehen Texteditoren oft aus wie etwas aus einem Hackerfilm der 80er Jahre.

Video: Mac für Anfänger – Wie funktioniert TextEdit?

Texteditoren: Das Werkzeug für Entwickler & Programmierer

Moderne Texteditoren sind allerdings mehr als die einfachen Eingabeprogramme der Vergangenheit.

Das altebekannte Notepad, das bei Windows standardmäßig an Bord war,
wird von vielen Computernutzern für die ersten Gehversuche beim Coden
und Programmieren genutzt.

Es ist jedoch so puristisch, dass es so gut wie keine Komfortfunktionen bietet. Von einem Officeprogramm erwarten wir, dass wir direkt im Dokument das Ergebnis unserer Arbeit sehen – im Texteditor sehen wir hingegen die komplette Formatierung als Code.

Wichtige Funktionen für die Arbeit mit Texteditoren sind (unter anderem):

  • Syntax-Erkennung
  • Einfärbung von Code-Elementen für bessere Übersichtlichkeit
  • gute Debugging-Funktionen zum Aufspüren von Fehlern
  • Erweiterungsmöglichkeiten durch Plugins
  • paralleles Bearbeiten mehrerer Dateien in verschiedenen Tabs
  • ablenkungsfreies Arbeiten

Video: Textverarbeitungsprogramme: Aufbau und Grundfunktionen

Komplexer oder puristischer Texteditor?

Für einen Journalisten, der nur einen Artikel schreiben möchte, ist der komplexe Texteditor in der Regel weniger geeignet. Programmierer von Software oder auch von Webseiten hingegen bevorzugen häufig die puristischen Texteditoren.

Das hat nicht nur mit einer Art Coder-Ethos zu tun – ein echter Programmierer würde nie etwas anderes nutzen als einen Texteditor – , sondern auch mit praktischen Erwägungen.

Obwohl komfortable WYSIWYG-Editoren (What You See Is What You Get) die lästige Arbeit der Formatierung mit kryptischen HTML-Befehlen erleichtern, ist diese automatische Kodierung und Formatierung häufig weder elegant noch optimal.

In einem Texteditor kann der Programmierer seiner eigenen Kreativität ganz ohne die Beschränkungen der Office-Umgebung freien Lauf lassen und somit den Code-Zeilen den Feinschliff geben, den sein Projekt erfordert.

Selbst Puristen mögen es heute etwas bequemer

Natürlich möchten auch die meisten Coder und Programmierer heute nicht mehr nur mit Notepad ihre Schreibarbeit erledigen, denn auch die modernen Texteditoren sind deutlich komfortabler geworden:

  • Die zeitraubenden und lästigen, immer wiederkehrenden Eingaben von Klammern und bestimmten Kommandos können abgekürzt und automatisiert werden.
  • Außerdem behalten die meisten Texteditoren ein Auge auf mögliche Programmierfehler und andere Dinge, die sich beim Erstellen von Programmen oder Webseiten einschleichen können.
  • Auch die Optik ist übersichtlicher, da gute Texteditoren Einfärbungen von Text- und Kommandosequenzen vornehmen, die eine Unterscheidung auf den ersten Blick ermöglichen.
  • Damit wird dem Phänomen entgegengewirkt, den Wald (bzw. Fehler) vor lauter Bäumen nicht zu erkennen, wenn man den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt. Wir möchten heute einige der wichtigsten Texteditoren etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Notepad++

Angelehnt an den Urvater der Windows-Texteditoren, ist Notepad++ ein weitergedachtes Open-Source-Projekt, das die gewohnte Benutzeroberfläche des klassischen Notepad um neue und sinnvolle Funktionen ergänzt. Highlight-Funktionen für die Syntax, automatische Codevervollständigung oder das Öffnen verschiedener Dateien in mehreren Tabs gehören zum bemerkenswerten Funktionsumfang von Notepad++.

Zudem lassen sich bestimmte Sequenzen als Makros speichern, so dass man wiederkehrende Kommandos nicht immer wieder von Hand eingeben muss. Obwohl Notepad++ für viele nur ein Anfängertool ist, schätzen auch manche Profis die Einfachheit des Programms, zumal es sich aufgrund der offenen Architektur den eigenen Bedürfnissen anpassen lässt. Wer das nicht selbst programmieren möchte, kann spezielle Plugins einbinden.

Angelehnt an den Urvater der Windows-Texteditoren, ist Notepad++ ein weitergedachtes Open-Source-Projekt, das die gewohnte Benutzeroberfläche des klassischen Notepad um neue und sinnvolle Funktionen ergänzt. (#01)

Angelehnt an den Urvater der Windows-Texteditoren, ist Notepad++ ein weitergedachtes Open-Source-Projekt, das die gewohnte Benutzeroberfläche des klassischen Notepad um neue und sinnvolle Funktionen ergänzt. (#01)

jEdit

Bei der Arbeit mit unterschiedlichen Programmen und Dateiformaten stößt man immer wieder an Grenzen, weil manche Texteditoren nicht alle Dateien öffnen können. Hier besitzt jEdit einen großen Vorteil gegenüber vielen Mitbewerbern, denn gibt es kaum Grenzen beim Öffnen der Dateien.

Auch jEdit unterstützt das Öffnen mehrerer Dateien in unterschiedlichen Tabs, was das Editieren von Projekten sehr einfach macht. Das Einfärben der jeweils gewünschten Syntax ist problemlos möglich – weitere Funktionen stehen darüber hinaus durch die Einbindung von Plugins zur Verfügung. Bereits ohne die zusätzliche Installation von Plugins sind wichtige Funktionen wie das Markieren von Tags und verknüpften Elementen oder das Code-Folding enthalten.

Sehr wichtig ist die hervorragende „Search & Replace“-Funktion, um bestimmte Textsegmente schnell zu finden und bei Bedarf zu ersetzen. Damit besitzt jEdit die wichtigsten Funktionen, die auch von aufwändigeren (und teureren) Mitbewerbern nicht besser gehandhabt werden.

Scrivener

Ein bisschen aus der Rolle fällt Scrivener, denn eigentlich wurde dieses Programm weniger für Programmierer entwickelt als für professionelle Autoren, die Bücher, Drehbücher oder Online-Artikel verfassen möchten.

Auch das Schreiben längerer wissenschaftlicher Texte mit Querverweisen etc. ist ein typisches Einsatzgebiet von Scrivener, das vom Design her zunächst etwas altertümlich aussieht. Allerdings ist die Bedienbarkeit sehr gut und wer schon in der Schule Probleme damit hatte, seine Aufsätze gut zu strukturieren, für den ist Scrivener eine echte Empfehlung. Anders als bei den meisten anderen Programmen kann der Autor einzelne Kapitel oder sogar Absätze oder Textbausteine als spezifischen Block bearbeiten – und nicht alles zusammen in einem kompletten Dokument.

Die einzelnen Bausteine werden dann in einer Datenbank gespeichert, aus der heraus man jederzeit eine neue Anordnung aller Bausteine vornehmen kann. Da viele Programmierer auch Dokumentationen für ihre Programme erstellen oder an wissenschaftlichen Projekten arbeiten, ist die Verwendung von Scrivener auch für andere Aufgaben durchaus sinnvoll. Für den einfachen schnellen Text nebenbei ist das Programm hingegen weniger geeignet, den kurzen Brief an die Krankenkasse schreibt man vielleicht doch besser mit Word.

Visual Studio Code

Microsoft bietet mit dem Visual Studio Code einen recht guten HTML-Editor für Entwickler, der völlig kostenlos genutzt werden kann. Damit hat das Unternehmen es erstmals geschafft, ein interessantes Tool für Profis zur Verfügung zu stellen, das nicht nur belächelt wird.

Denn die bisherigen Alternativen für Webentwickler von Microsoft waren allenfalls für Gelegenheits-Programmierer geeignet, die keine ausgefeilten Funktionen benötigten. Mit Visual Studio Code hat sich das geändert, denn auch ernstzunehmende Entwickler nutzen das Programm inzwischen sehr gerne. Bemerkenswert ist, dass es VS Code auch für Nutzer von MacOS und Linux gibt, was ein plattformübergreifendes Arbeiten und den Austausch mit anderen Programmierern ermöglicht, die nicht auf einem Windows-Rechner arbeiten.

Die Erweiterung der Funktionen über Extensions ist eine Stärke von VS Code. Das farbliche Hervorheben der Syntax in unterschiedlichen Sprachen und das automatische Vervollständigen des Codes funktionieren sehr gut. Trotz des großen Funktionsumfangs ist VS Code noch immer kostenlos zu haben, was angesichts der üblichen Microsoft-Geschäftspolitik ungewöhnlich anmutet.

Alle vier Wochen gibt es Updates, die teilweise sehr umfangreich ausfallen und die Wünsche der wachsenden Fangemeinde unter den Usern nach Möglichkeit berücksichtigen.

Phase5

Phase5 ist sicherlich einer der bekanntesten Hardcore-Editoren unter Windows, der seit 1998 als kostenfreie Alternative auf dem Markt ist.

Die lange Entwicklungsgeschichte spürt man:

  • an den ausgefeilten Funktionen von Phase5.
  • Vervollständigung von Tags für HTML-Befehle,
  • Syntax-Debugger,
  • Projektverwaltung,
  • Konvertierung von Umlauten,
  • Integrierung von Vorlagen und
  • User-defined-Menus

sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die dieser kostenfreie HTML-Editor bietet.

Durch den an den Explorer angelehnten Dateimanager findet man sich schnell zurecht, wenn man zwischen verschiedenen Dokumenten wechseln möchte. Auch das gleichzeitige Editieren ist selbstverständlich möglich. Kaum ein anderes Programm ist so ausgereift und läuft dennoch auf allen denkbaren Microsoft-Plattformen ab Windows 98.

PlainEdit.NET

Weniger bekannt unter der breiten Nutzer-Öffentlichkeit ist PlainEdit.NET. Trotzdem soll dieser Editor erwähnt werden, denn er bietet eine große Vielfalt an Funktionen und lässt sich über Plugins sinnvoll erweitern.

Die Einbindung von Dokument- oder Textvorlagen ist ebenso möglich wie das schnelle Suchen und Ersetzen von Textelementen. Wie viele andere Editoren beherrscht auch PlainEdit.NET das Öffnen mehrerer Dateien gleichzeitig in verschiedenen Tabs. Wirklich bemerkenswert ist jedoch die Möglichkeit, den Editor direkt von einem USB-Stick laden zu können. Das erleichtert die spontane Arbeit an Systemen, auf denen kein brauchbarer Texteditor installiert ist.

Wie so oft fragt man sich als Nutzer einer Software irgendwann, ob es nicht eine eierlegende Wollmilchsau gibt, also ein Programm bzw. in unserem Fall einen Editor, der alles kann. (#02)

Wie so oft fragt man sich als Nutzer einer Software irgendwann, ob es nicht eine eierlegende Wollmilchsau gibt, also ein Programm bzw. in unserem Fall einen Editor, der alles kann. (#02)

SynWrite

Wie so oft fragt man sich als Nutzer einer Software irgendwann, ob es nicht eine eierlegende Wollmilchsau gibt, also ein Programm bzw. in unserem Fall einen Editor, der alles kann. Oft verfügen bestimmte Programme über eine oder zwei Funktionen, die man gerne im bevorzugten Produkt haben würde, aber ansonsten deswegen nicht gleich komplett wechseln will.

Die kreativen Köpfe hinter SynWrite wollten mit ihrem besonderen Texteditor genau das schaffen: Möglichst viele sinnvolle Funktionen anderer Editoren unter einem Dach zu vereinen. Entsprechend umfangreich ist die Liste an Funktionen und Features, die dieses Programm bietet. Außerdem können versierte Nutzer das Portfolio gleich selbst um weitere Funktionen erweitern, sofern sie das Programmieren in Phyton beherrschen. Selbstverständlich bietet SynWrite die üblichen Funktionen wie Code-Folding oder das selbstständige Vervollständigen von Code-Zeilen.

Zeitsparende Sonderfunktionen wie Multiple Carrets ermöglichen darüber hinaus das schnelle Bearbeiten von Textsegmenten, bei denen sich viele Bestandteile im Code wiederholen. Für Einsteiger ist SynWrite sicher etwas überfrachtet mit Funktionen, denn viele davon wird man als Normalnutzer niemals benötigen. Doch wer wirklich ein Programm sucht, dass alles unter einem Dach vereint, für den ist SynWrite die richtige Wahl.

Atom

Unter den kostenlosen HTML-Editoren ist Atom besonders beliebt, weil der modulare Aufbau eine frei konfigurierbare Umgebung für den Nutzer schafft. Dabei wird der Kern des Programms (also quasi der Atom-Kern) sehr klein gehalten, um möglichst effizient zu funktionieren. Alle weiteren Funktionen werden modular um diesen Kern herum gruppiert.

Durch das Open-Source-Konzept kommen ständig neue Features hinzu, die in Form von Packages beliebig hinzugefügt werden können. Natürlich profitiert man von der Arbeit der gesamten Community, die immer wieder neue Pakete zur Implementierung in Atom bereitstellt. Wer mag, kann sich selbst an der Erweiterung beteiligen und eigene Packages erstellen, die dann der gesamten Nutzergemeinde zur Verfügung stehen. Atom gibt es übrigens nicht nur für Windows, sondern auch für MacOS und Linux, was das Potenzial der Weiterentwicklung durch die Community natürlich entsprechend potenziert.

Es ist kaum möglich, alle auf dem Markt befindlichen Texteditoren aufzuzählen, denn alle haben ihre Eigenheiten und Besonderheiten. Von kostenlosen Programmen über Abo-Modelle bis hin zu wirklich teuren Programmpaketen ist für so gut wie jeden Nutzertyp etwas dabei.

Am wichtigsten ist jedoch die Frage,
wofür genau man nun einen Texteditor einsetzen will.

Puristisches Programmieren wird bei einer Lösung wie Scrivener eher nicht vorkommen, während man umfangreiche Artikel oder Bücher sicher nicht mit dem Notepad++ schreiben würde. Für kleinere Projekte und Artikel, die in erster Linie schnell und ohne Ablenkung verfasst werden sollen, sind absolut minimalistische Texteditoren hingegen die erste Wahl.

Viele umfangreiche Funktionen sind häufig nur für echte Profi-Anwender interessant, doch wer sich von der Vielfalt der Features nicht abschrecken lässt, kann auch als Anfänger mit derartigen „Allzweckwaffen“ zurechtkommen. Insbesondere bei den kostenfreien Angeboten kann man sich problemlos (oft auch plattformübergreifend) mit anderen Nutzern austauschen und alles ausprobieren.

Bei kostenpflichtigen Editoren sollte man vorher jedoch genau wissen, ob das Programm tatsächlich den eigenen Wünschen und Vorstellungen entspricht.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Undrey  -#01: GaudiLab   -#02:  puhhha

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